Urologie
Sterilität: Diagnose
Sterilität
Definition
Kinderlosigkeit nach 1-jährigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr.
Primäre Sterilität: Patientin war noch nie schwanger.
Sekundäre Sterilität: es bestand bereits mindestens eine Schwangerschaft.
(Bei Alter >35 oder bei eindeutigen pathologischen Befunden, die als Sterilitätsursache in Frage kommen, ist es ratsam, vor Ablauf 1 Jahres mit der Behandlung zu beginnen.)
Epidemiologie
Häufigkeit der primären und sekundären Sterilität: ca. 10-15% aller Ehen.
In 35-40% der Fälle liegt die Ursache beim Mann, in 40-50% bei der Frau, in 15% bei beiden Partnern. 10-20% der Fälle bleiben ungeklärt (unexplained infertility)
Störungen der weiblichen Fertilität
Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Ovarien-Achse
(50-60% aller Sterilitätsursachen)
Hypothalamische Ursachen
- Idiopathische hypothalamische Insuffizienz
- chronische Stresssituationen
- Anorexia nervosa; Bulimia nervosa; Änderungen von Körpergewicht und Fettanteil
- Körperliches Intensivtraining
Hypophysäre Ursachen
- Hyperprolaktinämie (ev. mit Galaktorrhoe)
- Iatrogene Hyperprolaktinämie als Medikamentennebenwirkung: Phenothiazine, trizyklische Antidepressiva, Butyrophenone, Thioxanthenderivate, Methyldopa, Metoclopramid, Ovulationshemmer, Cyproteronacetat, Cimetidin, Domperidon, Heroin, TRH
- Hypophyseninsuffizienz (Sheehan-Syndrom)
- Hypophysentumoren
Ovarielle Ursachen
- Genetische Ursachen
- Entwicklungsstörungen; Gonadendysgenesie
- Climacterium praecox
- PCO-Syndrom (mit Hyperandrogenämie); zystische Veränderungen der Ovarien
- Ovarialtumoren
- Ovarielle Endometriose
Als Folge von Achsenstörungen: Zyklusstörungen
- Fehlende Ovulation: anovulatorische Zyklen, Corpus-luteum-Insuffizienz
- prim./sek. Amenorrhoe (evtl. mit Galaktorrhoe)
Tubare und uterine Sterilität
(15% aller Sterilitätsursachen)
Tubare Ursachen
- Tubarendometriose; Salpingitis isthmica nodosa
- Postinfektiöse Veränderungen; adhäsiver Tubenverschluß (Chlamydien, Mykoplasmen, Gonokokken, Streptokokken, etc.)
- Eingeschränkte Beweglichkeit des Fimbrienendes (Störung der Eiabnahme)
- Schädigung der Tubenmuskulatur mit Störungen der Peristaltik als Folge einer Salpingitis mit Wandschaden
Uterine Ursachen
- Angeborene Uterusanomalien
- Posttraumatische Schädigungen des Endometriums (z.B. nach Abrasio)
- Asherman-Syndrom
- Postinfektiöse Veränderungen des Endometriums
- Uterus myomatosus; v.a. submuköse Myome
Vaginale, psychische und extragenitale Störungen
(25% aller Sterilitätsursachen)
Vaginale Ursachen
Posttraumatische und postinfektiöse Veränderungen; Kolpitis (unspezifische Infektion, Trichomoniasis, Leukozytose!)
Extragenitale Ursachen
- Schilddrüsenstörungen: Hypo-/Hyperthyreose
- Nebennierenrindenstörungen: M. Cushing, M. Addison, Tumoren, androgenitales Syndrom
- Diabetes mellitus
- Drogen-, Alkohol-, Nikotinabusus
Psychogene Ursachen
- Vaginismus
- Partnerschaftsprobleme
- Soziale Konfliktsituationen
- chronische Stresssituationen, sportliches Intensivtraining, Anorexia nervosa
Störungen der männlichen Fertilität
Primäre Schädigung der Gonaden
- genetische Ursachen
- Wärmeschaden
- Infektionen
- medikamentös-toxisch
Hypothalamisch-hypophysäre Störungen
- Hyperprolaktinämie
- Hypophyseninsuffizienz
Störungen der Samenwege
- Retrograde Ejakulation
- Stenosen; Ductusaplasie (cave: zystische Fibrose)
- Varikozele
Immunologische Sterilität
- Spermatozoenantikörper
Extragenitale und psychische Störungen
- Extragenitale Endokrinopathien
Diagnose
Abklärung der weiblichen Sterilität
Abklärungen von Mann und Frau im gleichen Maße erforderlich, da in 15 % der Fälle beide Partner behandlungswürdige Störungen aufweisen.
1. Anamnese
Frage nach Kohabitationen (Potenzstörungen des Ehemannes, Immissio penis, Häufigkeit und Zeitpunkt der Kohabitationen), Zyklusanamnese, Medikamentenanamnese, Allgemeinerkrankungen, Familienanamnese, psych. Faktoren
2. Hormonuntersuchungen
- Prolaktin (5-25ng/ml): Blutabnahme zwischen 7h und 10h. Werte in der Lutealphase höher. Hyperprolaktinämie bei Psychopharmakakonsum, Hypothyreose, Prolaktinom oder idiopathisch.
- 17β-Östradiol (50-400pg/ml je nach Zyklusphase): Hypoöstrogenämie?, Climacterium praecox?
- FSH (1-25 mU/ml je nach Zyklusphase): Climacterium praecox?, Bestimmung der LH/FSH ratio
- LH (Wert je nach Zyklusphase): bei LH/FSH ratio >3 Verdacht auf PCO-Syndrom und Hyperandrogenämie
- Testosteron (0,06-0,086ng/ml) und Androstendion (0,3-3,10ng/ml): ovarielle Hyperandrogenämie?
- Progesteron
- DHEAS (Wert je nach Alter): adrenale Hyperandrogenämie?
- Schildrüsendiagnostik sowie Ausschluss von Nebennierenstörungen und Diabetes mellitus
- Anti-Müller-Hormon (AMH) zur Bestimmung der Follikelreserve
3. Postkoitaltest nach Sims-Huhner
- 1-3 Tage vor der Ovulation soll die Spinnbarkeit des Zervikalschleims 5 cm oder mehr betragen
- 2-12 Stunden postkoital sollen min. 5 vitale Spermien pro Gesichtsfeld sichtbar sein
- Bei negativem Ergebnis Evaluierung des Spermiogramms notwendig
4. Ovulationsmonitoring (stattgefundene Ovulation-condition sine qua non)
- Messung der Basaltmeperatur: 0,5 Grad Celsius Erhöhung 2-3 Tage postovulatorisch
- Vaginalsonographische Follikulometrie: präovulatorischer Durchmesser 18-25 mm; nach Ruptur und Ovulation ist Corpus luteum sowie freie Flüssigkeit im Douglas'schen Raum nachweisbar
- Endokrines Ovulationsmonitorung: Überwachung des mittzyklischen, ovulatorischen LH-und E2 peaks
5. Bakteriologische Abklärung
- Vaginal- und Zervikalabstrich
- Bei Laparoskopie auch aus dem pelvinem Situs
6. Lutealanalytik
- Inadäquate Lutealphase: vaginalsonographische Beurteilung des Endometriums und Progesteronbestimmung (Prog. soll >10 ng/ml sein)
7. Gestagentest (Überprüfung der Östrogenwirkung auf das Endometrium), Östrogentest (Überprüfung der Stimulierbarkeit des Endometriums); siehe Amenorrhoe
8. Tubendiagnostik
- Laparaskopie mit Chromopertubation
- Sonographische Tubendarstellung mit Kontrastmittel
- Hysterosalpingographie
Abklärung der männlichen Sterilität
- Urologische Kontrolle des Mannes auf Zeugungsunfähigkeit: Hypospadie, Phimose, Balanitis, Varikozele
- Anamnese
- Hormonstatus (v.a. FSH, Testosteron)
- Spermiogramm (OAT-Syndrom)
Letztes Update:12 März, 2009 - 15:13






